Elisabeth
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CARLO MARIA MARTINI
Aus dem spirituellen Wörterbuch C.M.M./Glaube
Glaube
Der Glaubensakt ist der fundamentale Vollzug des Gläubigen, der uns zu Gläubigen macht und unsere gesamte Existenz als Christen bestimmt. Er ist ein auf vernünftigen Prämissen beruhender Akt, aber dennoch nicht nur eine Konklusion aus den Prämissen, und er ist keine zwingende logische Deduktion.
Wir können die Prämissen prüfen, wir können beobachten, wie sie sich gegenseitig stützen, aber der Glaube selber ist ein Geschenk des Heiligen Geistes. Er leuchtet plötzlich auf, wenn der Mensch sich dem Geist Gottes anvertraut, und führt zu dem impulsiven Ausruf:" Es ist der Herr!" Dies ist nicht nur eine sprachliche Äußerung, sondern eine Erschütterung der gesamten Person. Sie geht aus sich heraus und begibt sich in die Obhut dessen, den sie erkannt hat.
Der Mensch, der, erfüllt von Leidenschaft und Begeisterung, so aus sich herausgeht, tutdies nicht um eines Phantasiegebildes willen. Es ist nicht eine Wirkung seiner Vorstellungskraft, es ist die Person Gottes selbst, die ihn mit ihrer Güte und ihrer Anwesenheit an sich zieht: Es ist das Geschenk des Glaubens, grund und Voraussetzung jeden Gebets, jeder Katechese, jeden Apostolats, der gesamten Pastoral und jeden Zeugnisses.
Wer wie wir Zeugen sein wollen, glaubwürdige Zeugen, müssen wir uns erinnern, daß alles an diesem aus dem Herzen kommenden Ausruf hängt:" Es ist der Herr!"
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Aus dem spirituellen Wörterbuch C.M.M./Gewissen
Gewissen
Das unscheinbare und geheimnisvolle Wort "Gewissen" hat sich inder Geschichte der Menschheit erst allmählich herausgebildet.So mag es überraschen,daß es zum Beispiel im Alten Testament keinen bestimmten Ausdruck gibt, der bezeichnet, was wir "Gewissen" nennen; die damit gemeinte Wirklichkeit, die es natürlich gegeben hat, wird mit einem Wort gekennzeichnet, das die Vorstellungskraft viel stärker anregt,nämlich mit "Herz".Auch wir legen ja instinktiv die Hand aufs Herz,wenn wir sagen:" Bei meinem Gewissen!" Offensichtlich wollen wir auf etwas in unserem Innern hinweisen,auf etwas Unveräußerliches, Kostbares, worauf wir um kein Gut der Welt verzichten würden.
Das Gewissen ist keine feste Größe,es wird nicht ein für allemal gebildet, als wäre es eine Art Edelstein, den wir im Herzen tragen und dessen Widerschein wir nur wahrzunehmen brauchen.
Das Gewissen hat im einzelnen Menschen und in der Menschheit als ganzer eine Geschichte,in deren Verlauf es sich bildet.Es erwacht im zarten Alter der Kindheit,unter der Obhut von Vater und Mutter, es wird in der Schule geformt, in der Jugendgruppe der Pfarrei;Eltern und Erzieher formen das Gewissen.
Da das Gewissen also in einer von erzieherischer Verantwortung geprägten Geschichte wächst, können wir uns darauf nicht verlassen, als sei es eine vom Himmel gefallene Gegebenheit. Was sich im Gewissen meldet, ist unser Verständnis, unser Wissen um das Gute und das Böse, das sich mit den guten und positiven Erfahrungen,die wir machen, festigt und jedes Mal Schaden leidet, wenn wir es unterdrücken oder willentlich negative und auf Abwege führende Erfahrungen machen.
Das Gewissen reift, es wird so licht und klar, daß das Wort Jesu zutrifft:" Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen" (Mt 5,9).Wir können es aber auch blind werden lassen oder ersticken,, dann gilt uns die Warnung Jesu: weh euch, ihr Blinden, ihr seid blinde Führer (vgl. Mt 23,16-24).
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Aus dem spirituellen Wörterbuch C.M.M./Gewaltlosigkeit
Gewaltlosigkeit
Wer sich näher mit der Kultur und Religion der Indianer befasst, wird den Eindruck gewinnen, daß die Gewaltlosigkeit in einem bestimmten Geistes-oder Seelenzustand begründet ist.Man könnte diesen Zustand den Frieden der Seele und des Herzens nennen.
Es handelt sich um einen Zustand bzw.eine Wirklichkeit, die man nicht deswegen anstrebt, weil es ein Gut wäre, das in sich wertvoll ist oder aus politischen Erwägungen nützlich erscheint, es geht vielmehr um eine innere Haltung, die jedem konkreten Engagement vorausliegt. Der Weg dahin ist natürlich sehr lang, und es ist ein mühsamer Weg, der ohne Askese nicht beschritten werden kann.Wir müssen lernen, dass in uns allen die Wurzeln des gewaltätigen Handelns vorhanden sind: in unseren instinktiven Gesten, in den Gefühlsreaktionen, in unseren Affekten und Antipathien, in den Vorentscheidungen, die wir zugunsten der einen gegenüber den anderen treffen.Selbst wenn es uns gelingt, alle diese Regungen, zumindest auf der Bewußtseinsebene, dadurch zu bemänteln, daß wir uns zivil zu benehmen wissen, bleiben sie doch als starke Antriebe einer gewalttätigen Gemütsverfassung in uns wirksam.Wir sollten gerade in der Familie und in den persönlichen Beziehungen darauf zu achten, wie oft in uns Gefühle der Zurückweisung, der Ablehnung, des herabsetzenden Vergleichs, der Rache und des Grolls unterschwellig wirksam sind.
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Aus dem spirituellen Wörterbuch C.M.M./Gewalt
Gewalt
Das größte Übel unserer Zeit, die größte Plage, geradezu eine Pest, ist die Gewalt in all ihren Formen.
Das reicht von der politischen Gewalt, die zu den grausamen Verirrungen des Terrorismus geführt hat- ich sehe heute noch das Blut der Menschen, die am Arbeitsplatz, in Universitätshörsälen oder wenige Schritte von ihren Wohnungen entfernt unschuldig getötet worden sind- bis zur kriminellen Gewalt, die -als Raubüberfall oder als Vergeltigungsschlag- auf unseren Strassen und in unserern Häusern Blut fließen lässt.Und es geht bis zur Gewalt gegenüber dem werdenden Leben, die zu den traurigsten und bittersten Plagen unserer Zeit gehört und zahllose Opfer fordert, die keine Stimme haben und die niemand verteidigt.
Und dann gibt es die gesellschaftliche Gewalt,die sich in jeder Form von Ungerechtigkeit ausdrückt, sie schadet vor allem jenen,die die Früchte ihrer Arbeit oder ihre Ersparnisse nicht verteidigen können; es gibt die Gewalt, die mit unserer Wirtschaftsordnung und ihren Strukturen ausgeübt wird und den Hungertod von Millionen Menschen zulässt.
Und es gibt schließlich den Krieg- die Zusammenfassung aller Gewalt und gesellschaftlicher Abirrungen-, der in so vielen Ländern der Welt Blut fließen lässt. In den Waffenarsenalen, mit denen die Vernichtung der Menschheit möglich ist, ist er überall, auch bei uns, als tödliche Bedrohung gegenwärtig.
Die Bedrohung ist zu einer Geißel der Menschheit geworden,wie sie in der Geschichte noch nie gegeben hat. Selbst die grausamsten Beschreibungen von Seuchen und Katastrophen verblassen ihr gegenüber.
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Aus dem spirituellen Wörterbuch C.M.M./Gesetz
Gesetz
Was versteht die Bibel unter "Gesetz"? Es kann damit der Inhalt des Alten Testaments, der Heiligen Schrift der Juden, gemeint sein. So sagt Jesus zum Beispiel:" Heißt es nicht in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?" (Joh 10,34). Die Aussage steht in Psalm 82, und das bedeutet, daß auch die Psalmen, die ja außerhalb der Bücher des Mose stehen, zum Gesetz gezählt werden.
Dennoch gilt, daß "Gesetz" in den meisten Fällen (besonders bei Lukas) die fünf Bücher des Moses meint, die Tora (in der Bedeutung von Lehre, Unterweisung).
Abgesehen von den Büchern bedeutet Gesetz auch die Offenbarung, die Gott Israel übergeben hat, damit es sein Leben an Gott ausrichte (und das ist der tiefere Sinn des Wortes Tora); so verstanden, ist das Gesetz unlösbar mit Gott verbunden.
Der Bibelwissenschaftler Xavier Léon Dufour drückt das in seinem Neutestamentlichen Wörterbuch mit einem Sprachspiel so aus:" Wenn der Dekalog nicht zu einem Dialog wird, erstarrt er zu einem Katalog."
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Aus dem spirituellen Wörterbuch C.M.M./Geschichte
Geschichte
Was bedeutet "Geschichte" im Lichte des Glaubens? Es scheint mir sinnvoll, bei der Antwort auf diese Frage, von der Bibel auszugehen.
Ich wähle einen Abschnitt aus der Bergpredigt, diese Stelle, an der Jesus von den guten Werken spricht: vom Almosen, vom Gebet und vom Fasten.Er stellt hier zwei Verhaltensweisen gegenüber, wir können auch sagen,: zwei Arten von Geschichte, zwei Geschichten.
Die eine Geschichte ist die Geschichte von dem, der Almosen gibt und dies vor sich "herposaunt", " wie es die Heuchler in der Synagoge und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden" (Mt 6,2).
Sein Tun wird "Geschichte", weil es dokumentiert werden kann, weil er es für die Öffentlichkeit inszensiert: Ein bestimmtes Handeln wird herausgestellt, die Menschen sehen es für bedeutsam an, es macht Geschichte.
Es gibt jedoch noch eine andere Art von Werken und eine andere Weise des Handelns: das Handeln, wobei die linke Hand nicht weiß was die rechte tut (Mt6,3).Es ist ein stilles Handeln, ein Handeln im Verborgenen, das nicht geeignet ist, Geschichte im herkömmlichen Sinn zu werden, da niemand davon erfährt, gewissermaßen die handelnde Person selbst. Dieses Handeln bringt kein Ansehen,es hat kein Gewicht, keine Bedeutung. Doch der Vater, der auch das Verborgene sieht, sieht diese zweite Art, Almosen zu geben.
Auch beim Beten ist das so. Es gibt das Gebet in der Öffentlichkeit, es gibt Menschen, die sich in die Gotteshäuser und an die Ecken öffentlicher Plätze stellen, wo sie sich fotographieren und filmen und für soziologische Untersuchungen befragen lassen. In diesem Sinn machen sie Geschichte. Es gibt auch das Gebet in der eigenen Kammer, bei verschlossener Tür, von dem niemand etwas weiß und das auch nicht in geistlichen Tagebüchern veröffentlicht wird.Es wird nur vom Vater gesehen, Jesus bekräftigt aber, daß dieses Gebet es ist, Jesus bekräftigt aber, daß dieses Gebet es ist, das Geschichte macht, Gewicht und Bedeutung hat.
Und es gibt zu bestimmten heiligen Zeiten das Fasten vor den Menschen, das Bewunderung erregt und Geschichte macht; es gibt aber auch das Fasten im Verborgenen, das der Vater vergilt und das in Jesus Ruhm erntet.
Geschichte im prägenden Sinn des Wortes, im positiven und vollen Sinn, ist das, was bei Gott zählt, und nicht das, was die Menschen sehen, aufzuzeichnen und für wichtig halten.
Geschichte ist, was Gott gutheißt, während alles andere vorbeigeht und sich in der Geschichte verliert.
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Aus dem spirituellen Wörterbuch C.M.M./Gerechtigkeit
Gerechtigkeit
Das Wort Gerechtigkeit bedeutet in der Bibel nicht einfach nur die Gerechtigkeit im Sinne des Gesetzes oder die soziale Gerechtigkeit, sondern es meint die Gerechtigkeit des Evangeliums:" Euch aber muß es zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben" (Mt, 6,33). Es ist dies die Gerechtigkeit, die dem Abraham angerechnet wird (Gen 15,6), in diesem Sinn ist Josef, der Verlobte Marias, ein gerechter Mann, und in diesem Sinn spricht Petrus von Jesus als dem "Heiligen und Gerechten". (Apg3, 14).
Wie ist diese Gerechtigkeit des Reiches Gottes als wichtigstes Kennzeichen des Christen zu verstehen? In der Bibel wird vor allem betont, die vollkommene Gerechtigkeit oder Heiligkeit (oder, wie man auch sagen könnte: ein Leben im Dienste der Liebe) bestehe in einem Leben, das sich in allem auf Gott bezieht und Gott als inneren Grund und Antrieb allen Handels erfährt.
Ein Leben, das sich in allem auf Gott ausrichtet, ist ein Leben der Nachahmung Gottes. Das letzte Ziel, auf das alle christlichen Haltungen und Verhaltensweisen und die gesamte christliche Moral ausgerichtet sind, besteht in der Nachahmung Gottes. Ganz klar, kommt dies zum Beispiel in der Bergpredigt zum Ausdruck, wenn Jesus nach dem einzelnen Beispielen für das Verhalten des Jüngers abschließend sagt." Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist" (Mt5,48).
Und auch im Brief an die Epheser fasst der Apostel verschiedenen Mahnungen zu einem christlichen Leben mit der Ermahnung zusammen:" Ahmt Gott nach als seine gelieben Kinder"(Eph5,1)
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